Kann Spuren von Kunst enthalten! - Dokumentation erschienen

 

Welche Konzepte entwickeln KünstlerInnen auf Fragen zum Umgang mit entleerten Räumen, zum Umgang der BewohnerInnen mit sich verändernden Stadträumen, zum Zusammenleben in Städten und auf dem Land, zur Schaffung von Teilhabemöglichkeiten?
 
Diese Konzepte aufzuspüren und mit interessierten Akteuren aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Verwaltung und Soziokultur zu diskutieren, war das Ziel des Projektes »Kann Spuren von Kunst enthalten«. Initiiert wurde es von der ForschungsAG – bestehend aus 3 Landesverbänden der Soziokultur aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und Thüringen sowie dem Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. –, gefördert vom BMBF als ein Projekt des »Wissenschaftsjahrs 2015 – Zukunftsstadt«.
 
Die Publikation »Kann Spuren von Kunst enthalten«, die von Ulrike Blumenreich vom IfK erstellt wurde, dokumentiert dieses Projekt. So wird darin ein Eindruck in die Vielfalt der auf den Call for Concepts eingereichten 131 künstlerischen Forschungskonzepte gegeben. Im Mittelpunkt stehen die nominierten künstlerischen Forschungskonzepte und ihre IdeengestalterInnen, die ihre Projekte auf dem gleichnamigen Symposium am 25. und 26. November 2015 im Pavillon in Hannover präsentierten. Eingerahmt werden sie von zwei wissenschaftlichen Vorträgen zum Erkenntnisgewinn durch künstlerische Forschung und zu den Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels für die Kulturpolitik. Einen besonderen Platz erhalten die fünf von einer Jury und den SymposiumsteilnehmerInnen ausgewählten künstlerischen Forschungskonzepte, die – vorbehaltlich der Finanzierung des folgenden Forschungsprojektes »Weiterdenken. Soziokultur2030« – in den Folgejahren realisiert werden sollen. Stimmen der TeilnehmerInnen und Auszüge aus Presse und Medien runden die Publikation ab. Sie steht zum Download bereit unter www.kannspurenvonkunstenthalten.de.
 

Kann Spuren von Kunst enthalten! - Symposium im Rahmen des Wissenschaftsjahr 2015 - Zukunftsstadt am 25. + 26. November im Kulturzentrum Pavillon in Hannover

 

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.

Ein Bericht von Dorit Klüver (LAG Soziokultur Niedersachsen e.V.), 17.12.2015

 

Eine Expedition kann deutliche Spuren von Kunst enthalten.
Um auf Expedition zu gehen, braucht es den Willen Neues zu entdecken, akribische Planung, Mut, Ausdauer und natürlich das richtige Schuhwerk. Außerdem von Nutzen ist große Lust auf Überraschendes. Eine Expedition schien das passende Format, um fünf Kunst-Projekte auszuwählen, die gemeinsam mit Wissenschaft zur Zukunft der Soziokultur forschen sollen.

 

Akribie
Eingeladen hat die ForschungsAG „Weiterdenken.Soziokultur 2030“ zur Expedition. Die drei Landesarbeitsgemeinschaften Soziokultur aus Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie das Kulturpolitische Institut der Kulturpolitischen Gesellschaft hatten Künstler_innen aufgefordert, sich mit Konzepten der künstlerischen Forschung zu bewerben, mit denen Antworten auf die Fragen der Zukunft gefunden und Handlungsmöglichkeiten für soziokulturelle Akteure aufgezeigt werden können. „Kann Spuren von Kunst enthalten!“ hieß der Aufruf. 140 Künstler_innen haben sich beteiligt. Mit großer Sorgfalt hat die ForschungsAG 14 von ihnen ausgewählt, ihre Forschungsideen auf dem Symposium/der Expedition zu präsentieren, um gemeinsam mit den Teilnehmer_innen fünf auszuwählen, die sich zusammen mit Wissenschaft auf den Weg machen, Fragen zur Zukunft der Soziokultur zu erforschen.

 

Ausdauer
Eine Expedition also - mit wachen und interessierten Teilnehmer_innen – bis zum 18. Vortrag am zweiten Tag und einem klaren Takt: jede Künstlergruppe hat 20 Minuten Zeit. Sie Spielflächen der drei Bühnen sind alle auf 4x4 Meter begrenzt. Die Vorträge sind so kompakt, dass in den 20 Minuten noch Spiel bleibt für Fragen. Und Antworten. Um dann - zack - in den nächsten Raum mit neuen Perspektiven und Sitznachbarn zu wechseln. Vier wissenschaftliche Vorträge zu Künstlerischer Forschung, Kulturpolitik, Stadtentwicklung und Kultur als Differenzkonstrukt haben die Expedition bereichert.

 

Mut
„Danke nochmal, dass wir Teil des Symposiums sein durften! Es hat uns viel Spaß, Erfahrungen und Motivation zum Weitermachen gegeben!“, so schreibt gleich nach der Veranstaltung eine Gruppe junger Künstler_innen noch aus der Bahn auf der Fahrt nach Hause. Sie gehören nicht zu den ausgewählten fünf Gewinner!-Projekten. Ein bisschen Unmut gab es auch. Die Entscheidungsfindung überzeugt erst nicht. Der Anteil des Publikumsvotums ist zu klein. Nur eins von fünf Projekten wählt das Publikum. Eine Überraschung für alle ist, dass am Ende die Entscheidung der Jury und die des Publikums zu annährend 100 Prozent übereinstimmt.

 

Die Gewinner!
Mal sinnlich und mal rational sind die Forschungsideen; konzentriert, zugewandt und interessiert ist die Atmosphäre. Das Format macht den fast 100 Teilnehmer_innen sichtlich Spaß. „Es tut mir leid für alle, die nicht dabei sein konnten“, meint Eleonore Hefner vom Kultur Rhein-Neckar Verein, eine der Teilnehmerinnen, „diese Veranstaltung war unglaublich inspirierend“.Gewonnen hat „Karlsruhe probt den Ernstfall von Thomas Georg Blank, der sich als „freies Radikal“ bezeichnet. Er plant eine Intervention zu Fragen von Eigentum und Macht. Was geschieht, wenn beim Bau der U-Bahn Erdölvorkommen entdeckt werden, die die neugegründete BadOil erschließen will? Was wird aus dem geruhsamen Badener? Wird er sich seiner revolutionären Kraft von 1848 gewahr, wenn sein Häusle bedroht ist?

 

Die Kunstbeamtinnen Sigrid Sandmann, Ulrike Willberg und Geesche Wartemann bringen mit ihrem Wortfindungsamt, einem pinkfarbenen Bauwagen, Poesie und veränderte Wahrnehmung in sechs Städte. Das persönliche Lieblingswort wird zum Kunstobjekt und verändert Stadtraum. Was lässt sich an den Wortorten der verschiedenen Standorte ablesen? Welche Heimatkonzepte, Glücksvorstellungen und Zukunftsvisionen formulieren sich in den Wörtern?

 

Das Projekt Tell Me – Personal Stories von André Jolles und Lucia Lehmann verdichtet persönliche Geschichten in Videos und eröffnet unterschiedliche Sichtweisen auf Lebenswelten und Bewegungsräume. Sie schlagen sie einen Bogen zwischen der Lebenswelt in Nairobi und der in Köln und zwischen den Künsten. Wie uns prägt Lebensraum und wie wir den Raum?

 

Für Künstlergruppe a flower along the road, Philipp Eibach und Josua Putzke spielt der Zufall eine besondere Rolle. Sie entleihen Objekte aus ihrem eigentlichen Umfeld bringen sie in neue Zusammenhänge wie beispielsweise U-Bahnwagen. Der Fahrgast trifft in auf ein Objekt, das einer anderen Realität entliehen wurde und in diesem Kontext scheinbar fremd ist.

 

machina eX baut mobiles FabLab: einen beweglichen Ort voll mit Wissen und Werkzeugen, der zum Selbermachen und Lernen einlädt. Philip Steimle, Robin Krause und Franziska Riedmiller bieten dort vom Computer über die Werkbank bis zum 3D-Drucker Mittel zur Selbstermächtigung und erforschen die Möglichkeitsräume vernetzter Do-it-Yourself-Kulturen und des direkten Zugriffs auf Produktionsmittel und Wissen.

 

„Künstlerische Forschung bringt gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends auf den Punkt - anschaulich, verständlich und mit viel Betroffenheit und Empathie. Bei solch dynamischen und witzigen Forschungsideen wird mir um die Soziokultur nicht bange“. sagt Ilona Trimbrom-Bruns, Geschäftsführerin der LAKS Baden-Württemberg und eine der Veranstalter_innen.

 

Die richtigen Schuhe
Es gab noch mehr: den Austausch mit Kolleg_innen, Künstler_innen und Wissenschaftler_innen zu den inhaltlichen Fragestellungen, die be- und erforscht werden sollen; den Bezug zu der ganz alltäglichen Praxisarbeit, die in der Soziokultur immer wieder mit dem Kunst- und Kulturverständnis konfrontiert; die Möglichkeit, Kooperationen zu denken oder Gedankenanstöße für die Entwicklung vor Ort mitzunehmen. Gelungen ist dies auch, weil das Kulturzentrum Pavillon für einen reibungslosen technischen Ablauf gesorgt hat, weil Axel Watzke und Miriam Jansen die Veranstaltung mit großer Leichtigkeit und hoher Konzentration, viel Knowhow, freundlich und zugewandt moderiert haben. Jansen mit dicker Wollmütze, Moonboots und Skibrille stets bereit für die nächste Überraschung.

 

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Mehr Informationen unter www.kannspurenvonkunstenthalten.de