In Erinnerung an
Eckhard Holler
Es kommt im Laufe eines Lebens immer mal wieder vor, dass sich ein Zeitfenster öffnet und man begegnet einem Menschen, mit dem man ein intensives Verhältnis beginnt - oft über eine gemeinsame Arbeit. Irgendwann schließt sich das Zeitfenster dann wieder und man verliert den Menschen aus den Augen. So war es bei mir mit Eckhard Holler. Ich begegnete ihm zum ersten Mal an einem grauen Tag des Jahres 1982 in den grauen Räumen der Uni Tübingen. 20 andere hatten sich wie ich auf den Weg gemacht, um die LAKS Baden-Württemberg zu gründen. Die Einladung dazu kam von Eckhard Holler, der damals beim Tübinger Club Voltaire arbeitete und das weithin bekannte Tübinger Festival organisierte.
Die Tübinger Versammlung gründete den Landesverband und erklärte: „Die Landes-AG wird sich um die Aufnahme von direkten Kontakten zu den zentralen politischen Stellen Baden-Württembergs bemühen“. Da lag ein weiter Weg vor uns, denn an vielen dieser „zentralen politischen Stellen“ saßen damals Leute, die ganz und gar nicht daran interessiert waren, auch nur mal mit uns zu reden. Daran, dass dieser Zusammenschluss namens LAKS BW entstand und dass wir uns auf einen Weg machten, der nach zahllosen Reisen nach Stuttgart den Zentren die Landesförderung brachte, hatte Eckhard Holler einen sehr großen Anteil. Er war damals eine prägende Figur.
Er trug auch maßgeblich dazu bei, dass mit dem Begriff des Soziokulturellen Zentrums und der soziokulturellen Arbeit eine positive Definition dessen entstand, was in den Häusern täglich geschah. Es gab Begriffe wie Gegenkultur oder Alternativ-Kultur, die aber nur negative Abgrenzungen waren von dem, was man nicht sein wollte - eben nicht lebensferne Hochkultur aber auch nicht kommerzielle Massenkultur. Mit dem Begriff Soziokultur gab es nun eine positive Definition der eigenen Arbeit. Erfunden haben diesen Begriff natürlich die UNESCO und der Europarat, aber Menschen wie Eckhard Holler haben entscheidend dazu beigetragen, ihn in die kulturpolitische Diskussion einzubringen.
Und irgendwann schloss sich das Zeitfenster dann wieder. Eckhard Holler verließ die LAKS, später verließ er auch Tübingen und ich verlor ihn aus den Augen. Ich sah ihn erst wieder bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen der LAKS in Karlsruhe. Es war schön, dass wir alle ihm dort noch einmal danken konnten. Nun erreichte uns die traurige Nachricht, dass Eckhard Holler im Alter von 84 Jahren gestorben ist.