Resilienz von Kultureinrichtungen

KURE - Kultur der Resilienz: Die LAKS BW beteiligt sich an einem Interreg-Antrag im Gebiet Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein.

Interreg ist ein Regionalprogramm der Europäischen Union zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, an dem sich auch Nicht-EU-Staaten beteiligen können. Er hat zur Aufgabe, Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Regionen zu beseitigen und den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt in der Europäischen Union zu stärken. Die von der EU bereitgestellten Fördermittel werden im Interreg Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein durch staatliche Mittel aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein ergänzt. Gefördert werden unter anderem auch Projekte im Bereich Kultur und Tourismus.


Dr. Thomas Zabrodsky von der Forschungsgruppe Empirische Sozialforschung der FHV Vorarlberg University of Applied Sciences, machte sich 2025 gemeinsam mit der Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, Mirjam Steinbock auf die Suche nach Projektpartner*innen für ein neues Interreg-Projekt. Der Fokus liegt auf der Steigerung der Resilienz in Kulturbetrieben in unsicheren Zeiten und der Projekttitel kautet: KURE - Kultur der Resilienz. Der Leadpartner ist die FHV, weitere Vollpartner sind die IG Kultur, die LAKS sowie der Kulturverein Kapuziner in Ravensburg. Darüber hinaus gibt es 16 weitere assoziierte Partner*innen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.

Ausschlaggebend für die Beteiligung am Antragsverfahren war das hochaktuelle Thema Resilienz und die Chance, kleine und mittlere soziokulturellen Zentren und Kulturbetrieben im Bodenseegebiet bis zum Hochrhein mit einem neuen Netztwerk zu unterstützen. Das Netzwerk aus Verbänden, Kultureinrichtungen und dem wissenschaftlichen Partner, die FHV Vorarlberg, wird neue Methoden erproben und die Projektergebnisse dokumentieren. Im Januar 2026 konnten wir auf Einladung zum Neujahrsgespräch der IG Kultur unsere Projektpartner*innen in Dornbirn in Österreich bereits kennenlernen und erfahren, dass über die Ländergrenzen hinweg überall die gleichen Themen relevant sind.

 Wenn unser Antrag Erfolg hat, kann es im Frühsommer 2026 losgehen.

Ziel ist es, Kulturbetriebe in der Bodenseeregion nachhaltig resilient zu machen. Im Zentrum stehen dessen Führungskräfte, die maßgeblich dazu beitragen, ihre Organisationen krisenfest, flexibel und innovationsfähig zu gestalten. Klassische Führungsmodelle stoßen oft an ihre Grenzen, da sie die Dynamik komplexer Systeme unterschätzen. KURE schafft hingegen Räume für Austausch und gemeinsames Lernen, um praxisnahe Methoden zu entwickeln. Die Betriebe sollen so befähigt werden, der zunehmenden Komplexität ihres Umfelds wirksam zu begegnen und ihrer zentralen Rolle innerhalb der regionalen Kulturlandschaft nachzukommen.

KURE beginnt mit einer systemischen Analyse auf Basis von Literaturrecherche, Interviews und Fokusgruppen, um Herausforderungen, blinde Flecken und erfolgreiche Praxisbeispiele sichtbar zu machen. Darauf aufbauend werden themenspezifische Workshops entwickelt, in denen Führungskräfte gemeinsam Strategien und Methoden im Sinne der systemischen Führung nach Neuberger (2002) erarbeiten, die sie unmittelbar in ihren Arbeitsalltag übertragen können. Ein abschließender Transferworkshop überprüft die Ergebnisse mithilfe der Pre-Mortem-Methode nach Klein (2007) – Gegenstück zu einem Post-Mortem – auf ihre Praxistauglichkeit.

Die Erkenntnisse werden in einer praxisorientierten Handreichung veröffentlicht und werden zur Grundlage für ein grenzüberschreitendes Netzwerk, das den Austausch und die Weiterentwicklung resilienter Strategien auch über das Projektende hinaus ermöglicht. Ein Beitrag, die Zukunftsfähigkeit der Kulturlandschaft am Bodensee und dem gesamten Projektgebiet zu sichern.

Die LAKS Baden-Württemberg hat zwölf Mitgliedszentren im Bodensee-Hochrhein-Gebiet, die sich künftig im KURE-Projekt aktiv beteiligen können, bzw. von den Ergebnissen profitieren können. Von den zwölf Zentren im Projektgebiet arbeiten sieben Vereine in kleineren Gemeinden rein ehrenamtlich. In Lörrach gibt es eine gGmbH und vier weitere Zentren in Singen, Ravensburg und Konstanz, die mit festangestelltem Personal arbeiten. Sowohl ehrenamtlich tätige Vereine als auch Zentren mit Personal stehen vor einem Generationenwechsel, bzw. sind gerade im Prozess und brauchen Unterstützung, um diesen gut strukturiert zu bewältigen. Einige Zentren bauen ihren Veranstaltungsort selbst aus und entwickeln ihre inhaltliche Arbeit weiter. Alle Zentren stehen für eine engagierte Kulturarbeit, sind zum Teil die einzigen Kulturanbieter vor Ort, haben aber zu wenige finanzielle und organisatorische Ressourcen, um diese Arbeit sicher in die Zukunft führen zu können.

Soziokulturelle Zentren im Gebiet Bodensee-Hochrhein:

Ateliers im Alten Schlachthof e.V., Sigmaringen

Zehntscheuer Ravensburg e.V.

Kulturverein Wilhelmsdorf e.V.

Kleinkunstbühne Adler Dietmanns e.V., Bad Wurzach-Dietmanns

Kommunales Kunst- u. Kulturzentrum K9 e.V., Konstanz

Kulturladen Konstanz e.V.

GEMS Kulturzentrum e.V. Singen

Zeller Kultur e.V , Radolfzell

Rittergarten e.V., Tuttlingen

Kulturkasten-Verein für interkulturellen Austausch e.V.,  Tuttlingen

Soziokultur Schopfheim e.V. - Café Irrlicht

Nellie Nashorn Soziokultur gGmbH, Lörrach