Wie war's beim Bundeskongress der KupoGe

Kulturpolitische Gesellschaft

400 Menschen waren beim ausgebuchten Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft, darunter auch Laila Koller von der LAKS Baden-Württemberg. Ein persönlicher Rückblick.

»Wi(e)der die Wut. Kulturpolitische Netzwerke gegen Autoritarismus« war der Titel, unter dem sich Kulturpolitiker*innen, Kulturakteure, Verwaltungsleute und Verbände am 11. und 12. Juni 2026 in Berlin versammelten. Der neugewählte Präsident der KupoGe Markus Hilgert eröffnete den Kongress, den die ebenfalls neue Geschäftsführerin Catalina Rojas Hauser mit Ulrike Blumenreich und ihrem Team vorbereitet hatte. Im Kern ging es darum, wie sich angesichts der vielfältigen Verlusterfahrungen unserer gegenwärtigen Gesellschaft wieder Mut schöpfen lässt, um unsere Kulturlandschaft aktiv zu gestalten.

Der Soziologe Andreas Reckwitz analysierte die Verluste der Spätmoderne in seiner Keynote treffend als Verlusteskalation durch die Klimakatastrophe, die Pandemie, die alternde Gesellschaft, globale Krisen und Kriege, die Ängste auslösen und zu allgemeiner Erschöpfung führen. Der von ihm beschriebene Ausweg liegt darin, Verluste wieder mehr zu akzeptieren, da sie zum Leben gehören. Die Aufgabe der Politik ist es, die Grundversorgung der Menschen zu stärken, um berechtigtem Protest vorzubeugen.  

Neurowissenschaft statt Moral bot die neuropolitische Philosophin Liya Yu, die schilderte, was im Gehirn eines Verschwörungstheoretikers abläuft. Mit einer neuropolitischen Strategie können wir unsere Demokratie wieder stärken und somit der rechtspopulistischen Dehumanisierung Andersdenkender entgegenwirken. Das Gespräch mit der Choreographin und Regisseurin Stephanie Thiersch rückte uns Menschen als körperliche Wesen in den Fokus.

Das Brachland Ensemble setzte am ersten Kongresstag einen starken künstlerischen Impuls mit ihrem Ansatz „Humanotop“, der zeigte, wie sich pessimistische Zukunftsannahmen gegenseitig verstärken und wir unsere Handlungsmacht darüber aus den Augen verlieren.

Staats- und Verwaltungsrechtler Friedhelm Hufen klärte über das Missverständnis des angeblichen „Neutralitätsgebots“ auf, das die Chancengleichheit für Parteien gewährleisten soll und nicht für Kulturförderer oder Geförderte gilt. Im Gegenteil: Demokratie verlangt Haltung.

Die Soziokultur war auf dem Bundeskongress stark vertreten, sowohl in den Foren als auch unter den Teilnehmenden, die vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung hatten. Das Abendprogramm mit gemeinsamem Singen im Museum für Naturkunde war wunderschön und gab viel Anlass zu Gesprächen in der beeindruckenden Kulisse jahrtausendealter Saurierskelette.

Am zweiten Kongresstag ging es um Kulturfinanzierung als Einfallstor. Im Panel am Vormittag berichtete die Sozialwissenschaftlerin Beate Küpper über die Ergebnisse der Mitte-Studie. Immer mehr rechtsradikale Positionen werden von den Befragten geäußert, bis hin zur offenen Bereitschaft, die Wut auch in Gewalt zu übersetzen. Der Journalist Peter Laudenbach analysierte rechte Strategien der parlamentarischen Anfragen als Angriffe gegen Kultureinrichtungen. Üblich sind zwei Muster: Der Vorwurf der Verletzung eines angeblichen Neutralitätsgebots und die behauptete Verschwendung von Steuergeldern.

Kirsten Haß von der Kulturstiftung des Bundes betonte, dass die staatliche Förderung eine Kultureinrichtung befähige, ihre Kunst zu machen. Die Politik müsse sich aus den Inhalten der Kunst heraushalten. Am Beispiel Ungarns erläuterte Lluis Bonet von der Universität Barcelona, dass die Kulturförderung sogar erhöht wurde, aber gleichzeitig die freie und linke Kultur finanziell ausgehungert wurde. Als Gegenmittel können zivilgesellschaftliche Bündnisse wie z.B. „Weltoffenes Thüringen“ dienen. Von Fallstricken mit Beispielen aus der Kulturförderpraxis Nordrhein-Westfalens berichtete die Geschäftsführerin des Landesverbandes Soziokultur Heike Herold, im Panel „Öffentliche Kulturförderung zwischen Selbstbeschränkung und Steuerungsanspruch“.

Die proklamierten Netzwerke als Rettung im Abschlusspanel können wohl kaum die Gesellschaft vor dem Rechtsruck retten, allerdings können sie uns durchaus als Strategie weiterhelfen, um der Vereinzelung etwas entgegenzusetzten. Das gilt gesamtgesellschaftlich ebenso wie für den Kampf der Kultureinrichtungen um Autonomie und angemessene Förderung. Die österreichische Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl ist Expertin für Rechtsextremismus. Sie erzählte von digitalen Schlägertrupps im Netz und dem „Gegenrechtsschutz“, der Hilfe bei Recherche, anwaltliche Hilfe und Sicherheitshilfe organisiert. Ihre Empfehlung sind paradoxe Allianzen, mit der Feuerwehr, dem Alpenverein, Kulturräumen und vielen mehr, um Menschen zusammen zu bringen.

Im Vergleich zu früheren Bundeskongressen war das Programm beteiligungsorientierter und lebendiger, was dem fachlichen Austausch durchaus guttut.

Veranstaltet wurde der Kulturpolitische Bundeskongress von der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. und der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Zusammenarbeit mit dem Kongresspartner Deutscher Städtetag. Gefördert wird er vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Videos vom Bundeskongress der KupoGe
©  Fotos: Ksenia Yanko
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