Das Green Culture Festival gibt Anlass zur Bestandsaufnahme
Nachhaltigkeit – Wo stehen wir und wie geht es weiter?
Mit einem von der LAKS Baden-Württemberg organisierten Fachtag haben wir uns 2022 erstmals intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Damals ging es vor allem darum, Orientierung zu gewinnen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, welche Bedeutung Nachhaltigkeit für unsere Einrichtungen haben kann und was wir tun können.
Schnell wurde deutlich: Nachhaltigkeit ist in der Soziokultur eigentlich nichts Neues. Vieles von dem, was wir seit Jahren tun, hat bereits mit nachhaltigem Handeln zu tun.
Das gilt zunächst für die soziale Nachhaltigkeit. Soziokultur schafft Teilhabe, bringt Menschen zusammen, stärkt Gemeinschaft und ermöglicht Mitgestaltung. Sie fördert demokratische Prozesse und unterstützt Integration. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt – und zwar nicht kurzfristig, sondern auf lange Sicht. Gleichzeitig geht es darum, faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung für Mitarbeitende und Künstlerinnen und Künstler zu ermöglichen.
Aber auch ökologische Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle. Viele unserer Häuser sind selbst gute Beispiele dafür. Oft nutzen wir bestehende Gebäude weiter – ehemalige Schlachthöfe, Kasernen, Fabriken, Feuerwachen oder Elektrizitätswerke. Hinzu kommen nachhaltige Materialien, gemeinschaftlich genutzte Technik und Räume sowie Investitionen in erneuerbare Energien.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die ökonomische Nachhaltigkeit. Soziokulturelle Einrichtungen arbeiten häufig unter begrenzten finanziellen Bedingungen. Umso wichtiger sind neben stabilen Förderstrukturen, gute Kooperationen, ehrenamtliches Engagement und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen.
Und genau darin liegt auch eine Besonderheit der Soziokultur: Nachhaltigkeit ist für uns kein zusätzliches Handlungsfeld. Sie gehört zum Selbstverständnis. Es geht nicht nur darum, den Kulturbetrieb umweltfreundlicher zu gestalten, sondern darum, dauerhaft positive Wirkungen für Menschen und Gesellschaft zu schaffen.
Seit unserem ersten Fachtag hat sich viel entwickelt.
Einige Mitgliedszentren haben inzwischen Klimabilanzen erstellt und damit wichtige Grundlagen geschaffen, um ihren ökologischen Fußabdruck besser zu verstehen und konkrete Maßnahmen abzuleiten.
Auch auf Bundesebene ist einiges in Bewegung gekommen. Der Bundesverband Soziokultur hat ökologische Standards für Kultureinrichtungen entwickelt. Themen wie Energie, Gebäude, Mobilität, Veranstaltungsmanagement oder Gastronomie werden dabei systematisch in den Blick genommen. Wichtige Impulse kamen außerdem vom Green Culture Festival und von der Green Culture Anlaufstelle. Dort wurde deutlich: Nachhaltigkeit ist längst eines der zentralen Zukunftsthemen im Kulturbereich.
Auch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg hat mit den Kulturstandards und dem Kulturrechner wichtige Werkzeuge geschaffen, die Kultureinrichtungen bei ihren Nachhaltigkeitsaktivitäten unterstützen.
Als Verband haben wir darüber hinaus einen Fachtag zum Thema Fair Pay angeboten. Die Resonanz war groß, deshalb werden wir das Thema in Zukunft noch einmal vertiefen.
Die Frage ist nun: Wie geht es weiter?
Wir wollen das Thema weiterhin aktiv begleiten und voranbringen. Deshalb beteiligen wir uns als assoziierter Partner an einem Projekt, wo es um die Frage geht wie Kultureinrichtungen durch intelligentes Energiemanagement nachhaltiger arbeiten können.
Außerdem sind wir Partner im Interreg-Projekt KURE. Im Mittelpunkt steht dort die Resilienz von Kultureinrichtungen – also die Frage, wie sie sich für kommende Herausforderungen stärken und zukunftsfähig aufstellen können.
Und schließlich möchten wir einen weiteren Schritt gehen: Wir möchten ein Netzwerk Nachhaltigkeit aufbauen. Ein Netzwerk, das Austausch ermöglicht, Menschen miteinander verbindet und gegenseitiges Lernen fördert. Einen Ort, an dem Erfahrungen geteilt, gute Beispiele sichtbar gemacht und gemeinsame Ideen entwickelt werden können. Denn viele von uns stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Warum also jede Lösung allein suchen? Gemeinsam kommen wir besser voran. Genau dafür soll dieses Netzwerk ein Raum sein. Ein erstes Treffen hat beim Green Culture Festival im Tollhaus stattgefunden.
Foto: Milan Koch/Green Culture Anlaufstelle