LAKS im Dialog

Neue Geschäftsführerin der Gems: Kami Manns

„Die GEMS soll ein Ort der Begegnung und des Mitgestaltens sein“

Seit dem 1. März 2026 ist Kami Manns neue Geschäftsführerin der GEMS in Singen. Im Gespräch mit Laila Koller von der LAKS Baden-Württemberg spricht die Kultur- und Transformationsmanagerin über ihren Start in Singen, geplante Veränderungen und ihre Vision für die Zukunft des soziokulturellen Zentrums.

LAKS: Du bist seit dem 1. März 2026 die neue Geschäftsführerin der GEMS in Singen. Bist du gut angekommen?

Kami Manns: Ja, auf jeden Fall. Singen hatte ich schon vorher als spannende Stadt wahrgenommen. Sie wirkt überschaubar, ist aber unglaublich dynamisch. Hier leben Menschen aus mehr als 100 Nationen, die Stadt hat eine lange Einwanderungsgeschichte und eine große kulturelle Vielfalt.

Ich selbst komme ursprünglich aus West-Berlin und bin im Berlin der 1980er Jahre aufgewachsen. Besonders geprägt hat mich die ufa Fabrik, mit der ich mich bis heute verbunden fühle. Deshalb kommt mir das kulturelle Klima hier in der GEMS sehr vertraut vor – mit all seinem Reichtum, aber auch seinen Herausforderungen. Gleichzeitig begeistert mich die Lage der Stadt: die Nähe zur Schweiz, die kurzen Wege nach Frankreich und die besondere Atmosphäre der Region.

Außerdem schätze ich die Kulturpolitik in Baden-Württemberg sehr. Hier gibt es ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass kulturelles Leben öffentliche Unterstützung braucht. Das ist keineswegs selbstverständlich.

Durch meine Arbeit in Frankreich, der Schweiz und auch in Polen bringe ich zudem einen internationalen Blick mit nach Singen.

LAKS: Die GEMS ist ja ein altehrwürdiges soziokulturelles Zentrum. Du hast bereits die Parallelen zur ufa Fabrik erwähnt. Wie nimmst du die GEMS heute wahr?

Kami Manns: Die GEMS blickt auf fast 50 Jahre Geschichte zurück. 2028 ist dann auch das 40-jährige Jubiläum hier in Singen. Im Moment entdecke ich noch vieles und analysiere gleichzeitig die bestehenden Strukturen.

Die GEMS ist für mich typisch für viele Einrichtungen, die Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre entstanden sind. Damals gab es Freiräume, gesellschaftlichen Aufbruch und auch die finanziellen Möglichkeiten, solche Orte aufzubauen. Viele dieser Häuser stehen heute vor ähnlichen Herausforderungen: Sie müssen ihre Strukturen an neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen anpassen. Genau darin sehe ich eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre.

LAKS: Du bist Kultur- und Transformationsmanagerin. Welche Bereiche möchtest du in der GEMS weiterentwickeln?

Kami Manns: Diese Bereiche konnten wir bereits sehr konkret benennen. Für den Beirat haben wir ein Konzept für die Jahre 2027 bis 2029 erarbeitet. Darin geht es um fünf zentrale Handlungsfelder.

An erster Stelle stehen Inhalte und Programm. Zweitens möchten wir unsere interne und externe Kommunikation weiterentwickeln. Drittens beschäftigen wir uns intensiv mit Betriebsökologie und Nachhaltigkeit, denn hier haben wir in den nächsten Jahren viel vor.

Ein weiteres Feld ist die Organisationsentwicklung – vom Organigramm über ein Leitbild bis hin zu klar definierten Prozessen, Verantwortlichkeiten und einem gemeinsamen Werteverständnis. Das fünfte Feld, ganz wichtig, sind die Finanzen, das wird auch eine Restrukturierung erfahren. Und schließlich geht es darum, die einzelnen Maßnahmen realistisch zu priorisieren: Was können wir in welchem Zeitraum mit welchen Ressourcen umsetzen?

LAKS: Respekt! In zwei Monaten ein Konzept für den Beirat zu erstellen, das ist schon sehr sportlich.  Du bist außerdem ausgebildete Schauspielerin und Regisseurin. Was reizt dich besonders am vielfältigen Programm der GEMS?

Kami Manns: Mich begeistert vor allem die Vielfalt. Die GEMS bietet Raum für ganz unterschiedliche Sparten und Zielgruppen. Jede Sparte hat ihr eigenes Publikum, und das ist eine hervorragende Ausgangslage.

Diese Vielfalt möchte ich erhalten, gleichzeitig aber das Profil der GEMS schärfen. Künftig werden wir unser Programm stärker in drei Bereiche gliedern: Soziokultur, Kunst und Unterhaltung.

Zur Soziokultur gehören Projekte, die gemeinsam mit Bürger*innen, Vereinen oder Initiativen entstehen. Kooperationen werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir möchten möglichst viel gemeinsam entwickeln, weil das nachhaltiger ist und Ressourcen effizienter nutzt.

Der zweite Bereich umfasst professionelle künstlerische (Ko-) Produktionen aus allen Sparten. Daneben wird es weiterhin Angebote im Bereich Unterhaltung geben – etwa Comedy, Kabarett oder bestimmte Konzertformate. Diese Veranstaltungen sprechen ein breites Publikum an und sind darauf ausgelegt, dass wir auch die Stadthalle füllen. Es ist wichtig, dass wir das haben, es ermöglicht uns hier und da eine Querfinanzierung.

Außerdem soll die GEMS künftig nicht nur Gastgeberin sein, sondern auch selbst mit ihren (Ko-) Produktionen auf Gastspielreise gehen.

Neu hinzu kommt die Sparte Clown und Nouveau Cirque. Besonders am Herzen liegt mir zudem die „Junge GEMS“. In Singen gibt es bislang keine Institution, die sich konsequent an ein junges Publikum richtet. Mit unserer Studiobühne und einem Künstler*innenzimmer für Residenzen haben wir dafür gute Voraussetzungen.

Mein Ziel ist es, Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu entwickeln – von kreativen Mitmachformaten bis hin zu einer eigenen kuratierten Reihe, die junge Menschen selbst gestalten können. Denn neben einem etwaigen Bildungs- und Teilhabeauftrag suchen wir auch schon heute nachhaltigen Kontakt zu unserem Publikum von morgen.

LAKS: Damit hast du meine nächste Frage schon teilweise beantwortet. Welche Beteiligungsformate kannst du dir speziell im Theaterbereich vorstellen?

Kami Manns: Wir arbeiten bereits mit zahlreichen Partnern zusammen – etwa mit dem Theater Die Färbe, der Caritas oder der Tafel. Diese Kooperationen werden wir weiter ausbauen. Viele Projekte münden in Aufführungen, die nicht nur in der GEMS stattfinden, sondern auch an anderen Orten in der Stadt.

Generell möchten wir stärker im öffentlichen Raum präsent sein. Wir müssen dort sichtbar werden, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Die Zeiten haben sich verändert: Kultur findet nicht mehr ausschließlich im Kulturhaus statt.

Wenn wir neues und künftiges Publikum erreichen wollen, müssen wir auf die Menschen zugehen, das heißt wir müssen raus. Ein kulturelles Erlebnis, eine Begegnung mit Kunst im öffentlichen Raum kann der erste Impuls, eine Initialzündung sein, wodurch das Interesse an Kunst und Kultur zum Bedürfnis wird. Deshalb wollen wir verstärkt sogenannte „Dritte Orte“ bespielen und kulturelle Erfahrungen direkt in die Stadtgesellschaft tragen.

LAKS: Gibt es weitere inhaltliche Schwerpunkte für die kommenden Jahre?

Kami Manns: Im professionellen Theaterbereich planen wir zudem eigene Produktionen. Ganz konkret für das nächste Jahr sind bereits zwei, drei Kooperationen mit anderen Institutionen im In- und Ausland in Vorbereitung.

Neu ist auch, dass wir Jahresthemen einführen. In diesem Jahr widmen wir uns dem Thema Einsamkeit. Sie ist zu einer der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit geworden. Immer mehr gerade auch junge Menschen fühlen sich regelmäßig oder dauerhaft einsam.

Soziokulturelle Zentren sind Begegnungsorte – und genau darin liegt eine unserer wichtigsten Aufgaben. Wir möchten Räume schaffen, in denen Menschen miteinander in Kontakt kommen, in Beziehung gehen und Gemeinschaft erleben können.

Im kommenden Jahr wird das Thema „Frauen.Perspektiven.“ im Mittelpunkt stehen.